Leonce und Lena allein

Gastspiel nach Georg Büchner in einer Bearbeitung von Katharina Ries und Maria Vogt 

Leonce und Lena verzweifeln an dem Leben, das man für sie vorgezeichnet hat: Eine Rolle spielen in der Welt, funktionieren, heiraten. Die Vorstellung, das nachzuleben, was ihnen seit Generationen vorgegeben wurde, ekelt sie an. Doch wie könnte ein anderes Leben aussehen, eine neue Form von Beziehung? Einen Plan hat keiner von beiden und so hängen sie in der Leere zwischen dem Alten, das vorbei ist, und dem Neuen, das nicht beginnen kann. Ihre Orientierungslosigkeit ist paradigmatisch für unsere Gegenwart, in der es keine festen Identitäten mehr gibt: Wir sind Arbeitnehmer, Sozialhilfeempfänger, Söhne, Geldanleger, Konsumenten. Die Vielzahl an Möglichkeiten, das „anything goes“ der Postmoderne, führt zu Überforderung und Müdigkeit. Zurück bleibt ein Gefühl der Langeweile, die bereits Sartre als „Geißel des Jahrhunderts“ beschrieb.

Leonce und Lena sind miteinander allein, die Spielzeuge, die sie unterhalten könnten, sind kaputt. Um der Langeweile zu entkommen, entwickeln sie eine Mini-Unterhaltungskultur: Sie spielen miteinander, spielen die Welt, wie sie sein könnte. Nähern sich an, um sich sogleich wieder abzustoßen. Die Geschichte von Leonce und Lena lässt sich erzählen als die zweier Borderline-Persönlichkeiten. Menschen, wie sie unsere Gegenwart vielleicht vermehrt hervorbringt: Unfähig, sich selbst zu erkennen, zu sehr in sich gefangen, um den anderen zu sehen. Auf der anderen Seite tragen Leonce und Lena das Schicksal der ganzen Menschheit in sich: Wir alle sind vertrieben aus dem Paradies, zurückgeworfen auf uns selbst, gezwungen, unserem Leben eine Bedeutung zu verleihen. Kommt Ihnen das bekannt vor?

 

Eine "gelungene Umsetzung nicht alltäglicher Theaterkunst" („Mainpost").


Bearbeitung & Regie: Katharina Ries und Maria Vogt

Es spielen: Nina Förster und Dominik Meder